Fahrbericht Peugeot 308 Pure Tech 130: Sitzen will gelernt sein

Er war Finalist bei der Wahl zum „German Car o the Year“, als Stadtauto trug er den Sieg beim „Womans Car oft he Year“ davon. Der neue Peugeot 308 ist auf der Straße der Sieger, obwohl er sich manche Schrulligkeit leistet. Es dominieren aber seine angenehmen Seiten, zumal er einige feine Charakterzüge von der Stellantis-Tochtermarke Opel übernommen hat.

Die Ursprünge der Baureihe gehen bis in die 1930er Jahre zurück, die 300er-Serie leistete sich in der Folgezeit manchen Zahlendreher. Nachdem es zwischenzeitlich bereits einen 309 gegeben hatte, trägt die jüngste und zehnte Generation wie ihre Vorgänger wieder die Modellbezeichnung 308. Gebaut wird der fünftürige Kompaktwagen traditionsgemäß am Stammsitz der Franzosen in Sochaux, die Kombiversion SW ist noch in diesem Jahr zu erwarten.

Der 308 ist stämmiger geworden, das Design betont die Breite. Seine Länge von fast 4,40 Metern macht ihn geräumig, die Dachlinie fällt dynamisch ab, ohne den Einstieg oder die Kopffreiheit im Fond einzuschränken. Am funkelnden Kühlergrill prangt ein neues Markenemblem, statt der dreidímensional stilisierten Löwenfigur wird nur noch der Kopf des Wappentiers auf einer Plakette dargestellt. Sie gewährt den Radarsensoren dahinter, mit denen Spurführung, Abstand und Notbremsung gesteuert werden, dank einer speziellen Materialbeschaffenheit freien Durchblick. Auf die Krallen und Fangzähne des Savannenkönigs sollen die optisch geschlitzten LED-Rückleuchten und das markant geformte Tagfahrlicht hinweisen, die Scheinwerfer selbst arbeiten in der GT-Ausstattung mit der gleichen Technik und verhindern mit ihrer Matrixfunktion die Blendung des Gegenverkehrs zuverlässig.

Die Vordersitze lassen sich mühelos und komfortabel entern, zum ersten Mal tragen sie das Gütesiegel der Arbeitsgemeinschaft gesunder Rücken (AGR), sind nach deren Anforderungen ergonomisch korrekt geformt und lassen sich in vielen Richtungen elektrisch fein justieren. Dies beugt der Berufskrankheit Nummer eins bei Vielfahrern, dem Rückenleiden, vor. So lassen sich lange Strecken weitgehend ermüdungs- und verspannungsfrei zurücklegen. An Bord gebracht hat sie die Übernahme von Opel, die Rüsselsheimer statten ihre Modelle auf Wunsch seit Jahren schon mit derart zertifizierten Sitzen aus. Die rund 1300 Euro Aufpreis sind gut angelegtes Geld, im neuen Astra der Rüsselsheimer sind die Ergo-Sitze jedoch günstiger zu haben.

Mit der Sitzposition im 308 ist es jedoch so eine Sache. Zwar findet sich schnell eine entspannte Haltung am rekordverdächtig kleinen Lenkrad, doch dauert es eine Weile, bis auch der Blick auf die Instrumentierung dahinter barrierefrei gelingt. Denn wie schon in anderen Baureihen von Peugeot werden die Skalen nicht mit einem Blick unter dem Lenkradkranz hindurch abgelesen. Das Volant liegt hier tiefer und damit unter den Anzeigen. Wirklich gelungen ist uns das nicht, immer waren eine oder gleich mehrere Informationen verdeckt, oder der Sitz musste in die höchste Position gefahren werden, was einem großgewachsenen Menschen jedoch das Ein- und Aussteigen wesentlich erschwert.

Die Gestaltung der Instrumententafel, Peugeot nennt sie i-Cockpit, ist obendrein fragwürdig. Tatsächlich werden viele Daten in einer quasiräumlichen Darstellung farbenfroh angezeigt, übersichtlich ist jedoch anders. Zumal die Skalen von Tacho und Drehzahlmesser nur sehr verwaschen dargestellt werden, gleich, welche Ansicht der Fahrer wählt. Die eigentliche Information über das Tempo liefert eine digitale Anzeige. Fast erinnern wir uns an den Honda-Roadster S 2000, dessen digitales Cockpit bereits Ende der 1990er Jahre die Anmutung einer Achterbahnbeleuchtung auf der Kirmes bei Nacht hatte, aber nicht besonders informativ war. Die Vorteile des kleinen Lenkrads im 308 sind dagegen die kaum nennenswerten Bewegungen, mit denen der Kurs korrigiert werden kann und der erleichterte Ein- und Ausstieg (sofern vorher der Sitz wieder auf normale Höhe eingestellt wurde).

Ansonsten gibt sich der Peugeot schnurrig leise und in der stärksten Benzinerversion mit 131 PS durchaus munter. Der Dreizylinder mit 1,2- Liter Hubraum ist allenfalls am rauen Tonfall zu erkennen, sein Lauf bleibt weitgehend vibrationsarm. Einzig der Normverbrauch blieb auf unseren Fahrten unangetastet, statt der versprochenen 5,9 verlangte der 308 selbst bei moderater Fahrweise stets mehr als 6 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Das Stauvolumen des 412 bis 1323 Liter fassenden Kofferraums geht in Ordnung, die Ladekante ist nicht zu hoch.

So erweist sich der junge Löwe als angenehmer und funktionaler Alltagsbegleiter, die GT-Version ist üppig ausgestattet, liegt aber mit einem Preis von 33.550 Euro nicht im Spitzenfeld der Kompaktklassen-Schnäppchen. Während die meisten Extras zu fairen Summen angeboten werden, zählt die achtstufige Automatik zu den größten Preistreibern. Sanftes und zielgenaues Schalten will mit 2000 Euro erkauft werden. (aum/Michael Kirchberger)

Daten Peugeot 308 Pure Tech 130 EAT 8 GT

Länge x Breite x Höhe (m): 4,37 x 2,06 (mit Außenspiegeln) x 1,70
Radstand (m): 2,68
Antrieb: R3-Benziner, 1199 ccm, Turbolader, Frontantrieb, 8-Stufen-Automatik
Leistung: 96 kW/131 PS bei 5500/min
Max. Drehmoment: 230 Nm bei 1750/min
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 9,7 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 5,6 – 5,9 Liter
CO2-Emissionen: 127 – 133 g/km (Euro 6d final)
Tankvolumen: 52 Liter
Leergewicht / Zuladung: min. 1363 kg / max. 487 kg
Max. Anhängelast: 1200 kg
Kofferraum: 412–1323 Liter
Basispreis: 33.550 Euro
Testwagenpreis: 36.750

Vorstellung Peugeot 308 SW: Löwe mit Radarauge

Selbstbewusst blickt der Löwe am neuen Peugeot 308 SW in die Zukunft. Dabei reicht die wuchtige Front allein schon, um den Auftritt des neuen Kombis in der Kompaktbaureihe der ältesten Automobilmarke der Welt zu illustrieren. Das neue Marken-Logo des französischen Herstellers erinnert an frühere Gestaltungen und verbindet so die Tradition und die Moderne bei Peugeot. Denn hinter dem Löwen versteckt sich die Radartechnik für die Assistenzsysteme des jüngsten Peugeot, der Anfang kommenden Jahres auf den Markt kommen wird.

Trotz der inzwischen dominierenden Rolle der SUV im Kompaktsegment haben sich die klassischen Kombis in diesem Bereich erfolgreich behauptet. Seit mehr als zehn Jahren ist der Marktanteil der praktischen Familientransporter konstant geblieben, und die Nachfrage soll, so wenigstens die Marketing-Experten, auch in den kommenden Jahren stabil bleiben.

In dieser Klasse gehört der 308 seit Jahren zu den konstanten Größen. In der neuen Modellgeneration zeigt sich allerdings, dass „kompakt“ inzwischen ein dehnbarer Begriff geworden ist. Mit einer Länge von 4,64 und einem Radstand von 2,73 Metern, von dem vor allem die Passagiere im Fond profitieren, erreicht der 308 SW Abmessungen, die vor einigen Jahren in der Mittelklasse üblich waren. Der 508, Topmodell der Franzosen, ist gerade elf Zentimeter länger als der „kompakte“ 308 SW.

Unter der wuchtigen Motorhaube arbeiten die bereits aus dem Vorgänger bekannten Antriebe als Diesel und Benziner. Die Palette beginnt mit dem 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 110 PS und endet beim 130 PS starken Diesel. Neben der Verbrenner-Fraktion treten zwei Plug-in-Hybridantriebe mit Systemleistungen von 225 PS oder 180 PS an. Peugeot verspricht für die beiden elektrifizierten Varianten eine elektrische Reichweite von rund 60 Kilometern, sodass die meisten Fahrer lokal emissionsfrei zu ihren Arbeitsplätzen pendeln können. Wenn sie ihren 308 SW dann an der heimischen Steckdose laden, vergehen rund sieben Stunden. An einer öffentlichen Ladestation oder Wallbox dauert die Ladung knapp zwei Stunden bis die 12,4 kWh große Batterie wieder ausreichend Kraft hat. Über die Fahrleistungen macht Peugeot noch keine Angaben. Sie dürften sich aber nicht deutlich von den Daten des Vorgänger-Modells unterscheiden.

Die Heckklappe, hinter der sich ein Stauraum mit 608 Litern bis 1634 Litern (bei umgeklappter Rückbank) verbirgt, lässt sich mit einer Fußbewegung unter dem Stoßfänger öffnen. In der rechten Kofferraumverkleidung befindet sich eine Zwölf-Volt-Steckdose. Eine LED-Beleuchtung bringt Licht und Halterungen für Taschen Ordnung in den Frachtraum. Die Verbrenner-Modelle besitzen zudem noch einen doppelten Boden als zusätzlichen Stauraum.

Im Innenraum blickt der Mensch hinter dem kleinen Lenkrad auf ein überarbeitetes I-Cockpit mit neuem Infotainment-System. Über die Schalter im Lenkrad lassen sich Radio, Medien, Telefon und die Assistenzsysteme bedienen. Ein zentral angeordneter Zehn-Zoll-Bildschirm ist vom Ausstattungsniveau Allure an individuell programmierbar, sodass die am meisten genutzten Einstellungen ohne langes Suchen und Ablenkung direkt angesteuert werden können. Über die Ansprache „OK Peugeot“ sind zudem die meisten Einstellungen schnell verfügbar. Smartphones können über eine induktive Fläche in der Mittelkonsole aufgeladen und außerdem zwei Telefone über Bluetooth verbunden werden. Außerdem stehen insgesamt vier USB-Anschlüsse bereit.

Die Luftqualität im Innenraum wird durch ein sogenanntes Air Quality System (AQS) ständig überwacht. Bei Bedarf wird ein Luftrecycling aktiviert. Von der Ausstattung GT an wird dieses System durch Clean Cabin ergänzt, mit dem schädliche Gase und Partikel herausgefiltert werden. Gegen Ende des Jahres kommt der „Drive Assist 2“ ins Modellprogramm, der einen halbautomatischen Spurwechsel ermöglicht und zudem dem Fahrer eine Geschwindigkeitsempfehlung liefert sowie die Geschwindigkeit dem Kurvenverlauf entsprechend (bis Tempo 180 km/h) anpasst.

Die Preisliste für den neuen Peugeot 308 SW beginnt bei 24.200 Euro für den Pure Tech 110. Die Plug-in-Hybrid-Modelle starten ab 37.900 Euro für die schwächere Variante. Die Version mit 225 PS kostet mindestens 43.550 Euro. (aum/ww)

Peugeot 5008: Der Freund der Familie

Seit 2017 ist das größte SUV von Peugeot, der 5008, in zweiter Generation auf dem Markt. 2021 erhielt das Mittelklasse SUV zusammen mit dem kleinen Bruder 3008 ein Facelift. Wir haben uns den 5008 genauer angeschaut.

Markant präsentiert sich unser Testwagen, der Peugeot 5008 Blue HDi130 EAT8 Allure Pack dem Betrachter. Sofort fallen die vielen Sicken und Kanten, die verdunkelten Fenster auf. Die Front markiert ein rahmenloser Kühlergrill. Die Scheinwerfer sind um längsförmige Tagfahrlichter mit Chromspitze erweitert, so dass die Lichtgrafik der bekannten Vampirzahnoptik von 508 und 208 entspricht. Je nach Ausstattungsniveau gehören LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht sowie integrierte Nebelleuchten (Foggy-Mode) zum Serienumfang. Auf der Motorhaube prangt die Modellbezeichnung. Die Rückleuchten sind in Krallenform mit 3D-Effekt ausgeführt. Die Rückscheinwerfer sind in ein klares, rauchfarbenes Glas eingesetzt, die die schwarze Blende zwischen den Heckleuchten optisch verlängern. Dadurch sieht das Heck des 5008 breiter aus als die gemessenen 1,84 Meter (ohne Rückspiegel).

„Reise(t)raum“
Innen fällt das große Raumangebot auf. Viel Platz haben Fahrer und Beifahrer auf den gut geformten und bequemen Sitzen vorne. In der zweiten Reihe befinden sich drei Einzelsitze, die umklappbar sind und sich längs verschieben lassen. Hier bekommt man drei Kindersitze bequem unter. Die Lehnen lassen sich stufenlos neigen. Praktisch sind die Klapptische an den Vorderlehnen und die USB-Anschlüsse. Die Beinfreiheit auf diesen Sitzen ist enorm. Zugang zur Reihe zwei geben die weit öffnenden Türen und der fehlende Mitteltunnel macht das Durchrutschen einfach.

Kofferraum
Im Kofferraum befindet sich Sitzreihe Nummer drei. Die zwei herausnehmbaren und voll versenkbaren Zusatzsitze sind allerdings nur für junge Menschen prima geeignet.

780 bis 1.940 Liter Gepäck passen in den 5008, hier profitiert das SUV von dem einigermaßen rechtwinkligen Dachabschluss. Auch Gegenstände mit bis zu 3,20 Meter Länge schluckt der 4,64 Meter lange Peugeot dank des umklappbaren Beifahrersitzes. Trotz seiner Größe lässt sich der Peugeot 5008, auch dank Kamera- und Sensorassistenten, gut in der Stadt und in Parklücken manövrieren.

Infotainment
Ein starker Kontrast zum großen Fahrzeug ist das kleine Lenkrad, das sich vor dem überarbeiteten so genannten i-Cockpit befindet. Das vielfach konfigurierbare Kombiinstrument hinter dem Lenkrad ist weit oben angesiedelt. Dadurch erreicht Peugeot einen Effekt, der fast an ein Head-up-Display herankommt. Touchscreen und Kombiinstrumente wurden mit dem Facelift erneuert. Die wichtigsten Komfortfunktionen lassen sich direkt über einzelne Chromschalter ansteuern: Radio, Klimaanlage, 3D-Echtzeitnavigation mit Sprachsteuerung, Fahrzeugeinstellungen, Telefon, Smartphone-Apps und Warnblinkanlage. Die Klimaeinstellungen erfolgen über den schnell reagierenden Touchscreen problemlos. Gut gelungen sind Verarbeitung und die Auswahl der Materialien, Stoff, Chrom und in unserem Fall Kunstleder.

Ausstattungsvarianten
Zu den drei Ausstattungsvarianten Active, Allure und GT gibt es außerdem jeweils Erweiterungen mit dem Zusatz „Pack“. In der Linie Active Pack beispielsweise für knapp 1.000 Euro (netto) gibt es zusätzlich elektrisch anklappbare Außenspiegel, eine Rückfahrkamera oder eine akustische und visuelle Einparkhilfe vorn, in Allure Pack ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem oder eine LED-Ambiente-Beleuchtung. Im GT Pack kommen zu der ohnehin luxuriösen Top-Ausstattung ergonomische AGR-Komfortsitze plus dreistufiger Sitzheizung, eine sensorgesteuerte Heckklappe, Focal-Soundsystem, 360-Grad-Kamera und zweifarbige 19-Zoll-Alu-Felgen hinzu. Dann allerdings auch zu einem Aufpreis von 1.950 Euro (netto).

Als guten Mittelweg empfiehlt sich die Allure-Ausstattung ab 34.000 Euro netto: Sie inkludiert 18-Zoll-Alus, den 10-Zoll-Touchscreen mit Navi, einen Totwinkelwarner sowie diverse Einparkhilfen mit Piepsern und Kameras. Einen Allradantrieb gibt es übrigens im 5008 nicht, nur für 365 Euro (netto) Aufpreis eine elektrische Traktionshilfe. Das unterscheidet ihn vom etwa gleich großen Skoda Kodiaq: Dieser ist zwar teurer, bietet aber optional einen vollwertigen Allradantrieb.

Motor und Getriebe
131 PS stark ist der Selbstzünder mit 1,5 Liter Hubraum, der unseren Testwagen über eine gut harmonierende Achtgang-Automatik antreibt. Zwar liegen schon ab 1.750 Touren 300 Newtonmeter Drehmoment an, doch diese Kraftentfaltung spürt man kaum. Er ist kein Sprinter, sondern eher ein Dauerläufer mit Alltagsqualitäten. Wer flotter unterwegs sein möchte, sollte den 177-PS-Diesel mit 2,0 Liter Hubraum wählen. Dieser bietet mit 1.750 Kilogramm auch eine deutlich höhere Anhängelast.

Verbrauch und Kosten
Mit 6,2 Litern Diesel auf 100 Kilometer liegt der Verbrauch in einem für diese Fahrzeuggröße guten Bereich. Die Betriebskosten pro Kilometer wurden mit 41 Cent berechnet, was ein guter Wert ist.

Fahrwerk
Gut gelungen ist die Fahrwerksabstimmung des 5008. Der 5008 präsentiert sich als sehr angenehmes Reisefahrzeug, das sowohl Autobahn als auch kurvenreiche Landstraße mit Ruhe und Gelassenheit meistert, ohne dass es, in unserem Fall kleinen, Insassen schlecht wird.

Fazit:
Der Peugeot 5008 ist ein geräumiger Familienvan, der mit der Allure-Ausstattung eine erweiterte Sicherheits- und Familienausstattung bietet. Auch der Komfort und die Betriebskosten können sich sehen lassen und letztere freuen den Fuhrparkmanager. Nur bei der Agilität gibt es bei der 131 PS Motorisierung Abzüge.